Wer bei einer Abofalle oder einem Inkassoschreiben googelt, landet schnell auf einer von vier Websites: simplyright.de, abo-hilfe.de, inkassohilfe.de oder smartkündigen.de. Was auf den ersten Blick wie unabhängige Angebote wirkt, ist in Wahrheit ein eng verflochtenes Firmennetzwerk, aufgebaut von derselben Personengruppe, betrieben aus demselben Rheinland-Büro und zunehmend im Fokus von Verbraucherschutzorganisationen.

Das Netzwerk und seine Köpfe

Wer die Impressen aller vier Websites liest, findet immer denselben Namen: Berkan Karahan. Er ist Geschäftsführer der Simplyright GmbH (HRB 22582, AG Neuss), persönlich im Impressum von abo-hilfe.de eingetragen und Mitgesellschafter der Smartkündigen OHG. Die weiteren Gesellschafter der OHG sind Can Alp Karahan, Cem Batu Karahan und Yücel Mansur Firato. Als inhaltlich Verantwortlicher bei smartkündigen.de ist ein Cem Karahan angegeben. Alle Firmen sitzen im Raum Neuss/Monheim am Rhein und teilen dieselbe Telefonvorwahl.

Die Plattformen sind so gebaut, dass ein Nutzer kaum merkt, dass er sich im selben Firmennetzwerk bewegt, egal ob er bei inkassohilfe.de startet, bei abo-hilfe.de landet oder am Ende ein simplyright-Abo abschließt.

🔎Das Firmennetzwerk im Überblick
simplyright.deSimplyright GmbH · GF: Berkan Karahan
abo-hilfe.deBerkan Karahan persönlich
smartkündigen.deSmartkündigen OHG · Gesellschafter: Karahan u.a.
inkassohilfe.deSimplyright GmbH

Was Betroffene berichten

Die Kritik, die sich durch Bewertungsplattformen und Foren zieht, ist auffällig einheitlich. Bei abo-hilfe.de schilderte ein Nutzer auf Trustpilot, ihm sei telefonisch ein Angebot von rund 350 Euro für die Kündigung eines einzigen Abos gemacht worden. Eine schriftliche Bestätigung für die Vorlage bei seiner Rechtsschutzversicherung wurde verweigert. Er solle sofort das Mandat erteilen. Er tat es nicht, erledigte die Kündigung selbst für 8,50 Euro Einschreibeporto und erhielt danach einen Anruf von abo-hilfe.de mit der Bitte, seine negative Bewertung zurückzunehmen.

Ein weiterer Nutzer schrieb, bei konkreten Nachfragen zum tatsächlichen Nutzen der kostenlosen Erstanalyse sei nur ausweichendes Blabla gekommen, bevor das Gespräch beendet wurde.

Bei simplyright.de häufen sich auf Reddit, insbesondere im Subreddit r/Abzocke, Berichte über das monatliche Abo. Das 34,99-Euro-Abo wird offenbar während eines Beratungsgesprächs aktiv verkauft, oft an Menschen, die gerade in einer Stresssituation sind. Danach ist die Kündigung aufwendiger als erwartet. Ein Nutzer schrieb, seine Bekannte habe das Abo nach nicht wenig Aufwand kündigen können und sei dabei frustriert gewesen.

Auf Trustpilot weist das Profil von simplyright ausdrücklich darauf hin, dass das Unternehmen systematisch nicht auf negative Bewertungen antwortet. Rund neun Prozent aller Bewertungen sind Einsterner-Rezensionen. Abo-hilfe.de hat zudem mindestens eine negative Bewertung auf Trustpilot gemeldet und löschen lassen, obwohl der Inhalt eine sachliche Schilderung eines konkreten Erlebnisses war.

Die Verbraucherzentrale klagt

⚠️Verbandsklage

Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vs. Simplyright GmbH
Eingetragen seit 19. Mai 2026. Vorwurf: Geltendmachung unberechtigter Mahngebühren und irreführende Werbung für kostenpflichtige Dienste.

Seit dem 19. Mai 2026 führt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eine aktive Unterlassungsklage gegen die Simplyright GmbH. Die Klage ist in der öffentlichen Verbandsklagen-Datenbank eingetragen unter dem Titel „Geltendmachung von Mahngebühren, Werbung mit der Erbringung von Dienstleistungen." Beantragt wird, Simplyright zu verurteilen, es zu unterlassen, Verbrauchern Rechnungen mit Mahngebühren zu schicken und im Internet für den Abschluss kostenpflichtiger Dienste zu werben, wenn die tatsächliche Leistungserbringung irreführend dargestellt wird.

Eine Verbandsklage der Verbraucherzentrale kommt nicht aus dem Nichts. Ihr geht in aller Regel eine erfolglose Abmahnung voraus. Dass es bis zur Klage gekommen ist, zeigt, dass das Unternehmen auf die erhobenen Vorwürfe nicht eingelenkt hat.

Fazit

Das Netzwerk rund um Berkan Karahan bedient gezielt Menschen in Notsituationen und nutzt dabei Mechanismen, die selbst an jene Praktiken erinnern, gegen die es vorgibt vorzugehen: intransparente Kosten, schwer kündbare Verträge und aggressiver Telefonvertrieb. Die laufende Klage der Verbraucherzentrale setzt dem Ganzen einen offiziellen Rahmen.

Kein Mandat und kein Abo ohne vorherige schriftliche Kostenaufstellung.

Empfehlung aus Nutzerbewertungen auf Trustpilot

Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen: Impressen, Handelsregister, Trustpilot, Reddit sowie der Verbandsklagen-Datenbank der Verbraucherzentrale. Es handelt sich um eine journalistische Betrachtung ohne rechtliche Wertung. Über den Ausgang der laufenden Klage ist zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nichts bekannt.